Johann Wolfgang Goethe: Faust - Der Tragödie erster Teil
Walpurgisnacht
In der Walpurgisnacht versammeln sich alle Hexen und ähnliches auf dem Brocken im Harz. Es ist ein riesen Chaos, scheinbar ohne Regeln.
Auch Faust und Mephisto ziehen dorthin. Faust möchte zum Gipfel, denn "Dort strömt die Masse zu dem Bösen; da muss sich
manches Rätsel lösen." Mephisto ist eher dafür, sich nicht der gesamten, großen Welt zuzuwenden, sondern sich seine
eigene, kleine und beschränkte Welt aufzubauen, und will Faust ins Vergnügen ziehen. Faust fängt an, mit einer Schönen zu
tanzen, erblickt jedoch eine Person, die Gretchen gleicht. Mephisto aber warnt ihn vor der Frau, sie sei eine
Meduse
und es sei gefährlich, sie anzusehen. Faust entdeckt am Hals der Meduse einen roten Strich, dessen Breite er mit "nicht breiter als
ein Messerrücken" angibt, was nicht unbedingt schön und heilvoll klingt. Mephisto erklärt ihm, dass Perseus ihr den Kopf
abgeschlagen habe.
Dieses Kapitel erscheint mir als Leser sehr verworren und chaotisch, man kann kaum eine Handlung feststellen. Aber man erfährt nebenbei
aus den Gesprächen ein paar Lebenseinstellungen und es wird klar, warum Mephisto Faust hierher mitgenommen hat: es ist wie ein
großer Rummelplatz (zur genauen Art der Vergnügung muss wohl nichts gesagt werden). Außerdem merkt man, dass Faust noch
ab und zu an Gretchen denkt, wenn er sich auch anderen Frauen zuwendet. Die Meduse könnte - mit ihrer Ähnlichkeit zu Gretchen und
dem roten Streifen am Hals - eine Andeutung an das zukünftige Geschehen sein.
Goethe: Faust, Der Tragödie erster Teil: Lesetagebuch / Zusammenfassung, Copyright Tobias Neumann