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Johann Wolfgang Goethe: Faust - Der Tragödie erster Teil

Wald und Höhle

Faust dankt am Anfang - wie in einem Psalm - einem "Geist", dass er ihm die Fähigkeiten des Empfindens gegeben habe und ihn beschütze. Er bedankt sich auch dafür, dass er den -inzwischen unverzichtbaren- Mephisto zur Seite hat, auch wenn der ihn erniedrige. Faust bemerkt auch, dass er immer mehr will, auch wenn er gerade etwas Schönes genießt: "So tauml ich von Begierde zu Genuss, und im Genuss verschmacht ich nach Begierde".
Dann kommt Mephisto und fragt, ob Faust sich jetzt genug gefreut habe. Man könne sich nicht an einer Sache länger freuen, man müsse immer Neues probieren. Das ist durchaus auch heute noch eine verbreitete Auffassung. Viele Menschen wenden sich nach der ersten Begeisterung anderen Aktivitäten zu, ohne die vorige richtig beendet zu haben (weshalb es auch nicht gerade leicht ist, ein Lesetagebuch zu schreiben. Die schon anfänglich geringe Lust schwächt sich recht schnell weiter ab :) .
Faust will davon nichts wissen und meint, dass Mephisto ihm sein Glück nicht gönne. Mephisto meint, er solle langsam wieder in die Gänge kommen und mit Gretchen schlafen, er wäre doch anfangs so wild darauf gewesen. "Schlange! Schlange!" erwidert Faust, womit er auf die Schlange im Paradies Bezug nimmt, die Eva zur Sünde verführte. Gerade das ist Mephistos Ziel, denn er denkt sich still "Gelt! Dass ich dich fange!" Im Folgenden wird deutlich, dass Faust Gretchen durchaus noch begehrt, aber dabei einen gewissen Respekt aufgebaut hat, der es ihm zu verbieten scheint, sie einfach auszunutzen. Doch seine ursprüngliche Begierde flammt schnell wieder auf und er will unbedingt mit ihr schlafen, um jeden Preis: "Was muss geschehn, mag's gleich geschehn! Mag ihr Geschick auf mich zusammenstürzen und sie mit mir zugrunde gehn!". Mephisto freut dies, nun ist er seinem Ziel nahe.

In dieser Szene nimmt man kurz wahr, dass Faust vielleicht doch wirklich verliebt ist und noch gewisse Skrupel hat. Aber Mephisto versteht es, ihn umzustimmen und Faust gibt leichtfertig seine Bedenken auf und ebnet damit den Weg zum Untergang.


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Goethe: Faust, Der Tragödie erster Teil: Lesetagebuch / Zusammenfassung, Copyright Tobias Neumann