Johann Wolfgang Goethe: Faust - Der Tragödie erster Teil
Am Brunnen
Offenbar nachdem sie mit Faust geschlafen hat trifft Gretchen am Brunnen auf Lieschen, die von Bärbelchen erzählt. Bärbelchen sei
nun schwanger, nachdem sie ewig mit einem Jungen geknutscht und ihre Liebe offen gezeigt habe. Sie wäre ehrlos und es geschiehe ihr recht.
Hier kann man vielleicht auch etwas Neid erkennen, nicht auf das Ende der Liebe, sondern vielmehr auf den Anfang, das Küssen und den Sex,
der als unehrenhaft gilt und quasi verboten ist. Die anderen Mädchen haben Bärbelchen sicher immer darum beneidet, sich aber nie selber
getraut und sind am Ende froh, dass ihr eigener Verzicht nicht umsonst war und dass das Blatt sich sozusagen gewendet hat.
Gretchen kann sich dem ganzen verständlicherweise nicht anschließen, da sie sich ähnlich unehrenhaft und morallos verhalten hat
wie Bärbelchen, wenn auch nicht öffentlich. Sie ist sich wohl auch bewusst, dass ihr ein ähnliches Schicksal drohen könnte.
Sie erinnert sich, dass sie früher auf Mädchen, wie sie nun selbst eine ist, verachtungsvoll herabgeblickt hatte und bereut ein
Stück weit ihre Sünde, aber ihr letzter Gedanke ist, wie schön es war.
Goethe: Faust, Der Tragödie erster Teil: Lesetagebuch / Zusammenfassung, Copyright Tobias Neumann