Johann Wolfgang Goethe: Faust - Der Tragödie erster Teil
Abend. Ein kleines reinliches Zimmer
Allein die Überschrift sagt ja schon einiges: das Zimmer ist "klein", also ist Gretchens Familie nicht gerade sehr reich.
Und es ist ein "reinliches" Zimmer, besser gesagt: Gretchen ist reinlich. Das passt schonmal prima zu ihrer Unschuld.
Gretchen denkt gerade über Faust nach und befindet ihn als recht attraktiv. Nachdem sie gegangen ist betritt Faust das Zimmer. Er
setzt sich gleich glückselig in einen Sessel und genießt die Atmosphäre. Das ganze mutet pervers an, er könnte sich ja
gleich noch einen runterholen...
Bald kommt Mephisto herein, deponiert den Schmuck und beide verschwinden wieder, kurz bevor Gretchen kommt. Diese spürt etwas komisches
in ihrem Zimmer, kann es aber nicht richtig fassen und fängt an, sich auszuziehen (warum hat Faust sich eigentlich nicht im Schrank v
ersteckt?). Sie entdeckt den Schmuck und legt ihn gleich verwundert an. Sie ist zwar skeptisch, aber wie sie selbst bemerkt: "Nach
Golde drängt, am Golde hängt doch alles."
Fausts Vorfreude ist nun enorm gesteigert und Gretchen geht ins Netz - was will man mehr?
Gretchens Freude über den Schmuck ist verständlich. Was aber verwundert, ist, dass sie garnicht groß über die Herkunft
des Schmucks nachdenkt. Wahrscheinlich ein Pfand der Mutter (die Familie muss doch Geld haben!). Also wenn ich auf einmal teuren Schmuck in
meinem Zimmer finden würde, würde ich ihn erstens nicht anlegen (bin ja keine Tunte), zweitens würde ich mich erkundigen,
wessen Schmuck das ist, bevor ich in der Schmuckkiste 'rumkruschtle.
Goethe: Faust, Der Tragödie erster Teil: Lesetagebuch / Zusammenfassung, Copyright Tobias Neumann