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Vermehrung

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, fleischfressende Pflanzen zu vermehren. Ich möchte hier diejenigen vorstellen, mit denen ich sinnvolle Erfolge hatte und die ich somit weiterempfehlen kann.

Aussaat

Das Aussäen ist relativ mühsam bzw. es dauert recht lange, bis man große Pflanzen hat. Je nach Art ist diese Methode mehr oder weniger erfolgsversprechend. Das erste Problem: man muss Samen bekommen. Bei Droseras allgemein kein Problem, da sie selbstbestäubend sind. Drosera capensis z.B. bildet Samen in Unmengen aus. Bei meinen Sarracenien dagegen habe ich bisher noch keine Samen gefunden. Das zweite Problem kommt direkt danach: die Samen müssen auch keimen.

Wer es trotzdem wagen möchte, hier eine Kurzanleitung am Beispiel Drosera capensis:


Als erstes Aussaat-Gefäß empfiehlt sich eine ca. 3-5cm hohe Schale. In diese füllt man rund 1cm feuchten, lockeren Torf, sät die feinen Drosera-Samen gleichmäßig und recht dicht aus und drückt dann den Torf vorsichtig platt. Das Ziel dabei ist es, die Samen nicht unter einer tiefen Torfschicht zu begraben, sondern oberflächennah. Anschließend wird die Schale entweder mit einer (Plexi-)Glas-Scheibe oder mit transparenter Plastikfolie abgedeckt, damit die Luftfeuchtigkeit konstant hoch bleibt.

Jetzt kommt der spannende Teil: warten, bis die Samen keimen. Das kann etwas dauern, in der Zwischenzeit darauf achten, dass der Torf immer gut feucht ist. Ggf. mit kalkfreiem Wasser besprühen. Ein Problem kann auftauchen: Algen und Moose sind evtl. schneller als die Droseras. Falls sie sich breitmachen und der Saat keine Chance lassen, kann man wieder von vorne beginnen. Eine Lösung des Problems ist, dass man sowohl Torf als auch das Gießwasser davor abkocht. Dann ist es quasi keimfrei und es sollte weniger Algen geben. Das ist aber etwas aufwändig und nicht immer nötig.

Nach einiger Zeit bilden sich winzige Droseras, komplett mit kleinen Fallen. Da man nie so sicher weiß, wieviele Samen keimen, haben wir recht dicht gesät. Wenn die Pflänzchen sich nun gegenseitig am Wachsen hindern oder für die Schale zu groß werden, müssen sie pikiert werden. Das bedeutet, man setzt die einzelnen Pflanzen in ein neues Substrat und sortiert die schwächsten aus. Dafür benutzt man am besten dünne Holzstäbchen, um die Pflänzchen aus dem Torf zu heben. Pinzetten könnten die Droseras zerquetschen. Hierfür gibt es auch Spezialwerkzeug im Fachgeschäft. Die Pflanzen werden mit ein paar Zentimetern Abstand in eine größere Schale mit feuchtem Torf gepflanzt. Eine Bedeckung mit Folie ist immernoch sinnvoll, allerdings sollte sie nicht komplett abschließen, um Schimmel und Algenwuchs zu verhindern. Letztgenanntes ist auch ein guter Grund zum Pikieren, denn auch auf einst sterilem Substrat kommen irgendwann Moos und Algen!

Wann man die kleinen Droseras nun aus dem Aufzuchtbehälter nimmt und ganz normal in eine Vitrine, Pflanzschale oder das Moorbeet setzt liegt im eigenen Ermessen. Man sieht ja irgendwann, dass die Pflanzen kräftig genug wirken, um auch höheren Moosen und einer geringeren Luftfeuchtigkeit zu trotzen.

Ableger u.Ä.

Bei einigen Arten muss man garnicht viel tun, um sie erfolgreich zu vermehren. Beispiel kleinblättrige Utricularien: durch ihre unterirdischen Ausläufer verbreiten sie sich rasend schnell über das gesamte Substrat. Hier reicht es, Teile herauszustechen und in neues Substrat zu setzen. Andere Arten bilden unterirdische Rhizome, aus denen neue Pflanzen sprießen, wie z.B. die Venusfliegenfalle. Hier ist das Vorgehen nur etwas komplizierter. Praktisch sind einige Pinguiculas: der Hybride Sethos z.B. produziert bei mir richtige, separate Ableger mit Wurzeln. Einfach auf Torf auslegen und fertig!

Vermehrung der Venusfliegenfalle aus dem Rhizom:


Nach etwas Zeit bilden sich bei einer Venusfliegenfalle neue, kleine Pflänzchen um sie herum. Sie sind mit der Mutterpflanze noch verbunden, haben aber -zumindest ab einer bestimmten Größe- eigene Wurzeln. Will man sie abtrennen, muss man die Pflanze an der entsprechenden Stelle freilegen und den Nachwuchs entweder abbrechen oder mit einem scharfen Messer abschneiden. Die Bruch-/Schnittstellen werden anschließend zur Desinfektion mit Holzkohle bestäubt. Die abgetrennten Pflänzchen werden in feuchten Torf gesteckt und gut feucht gehalten. Sie sollten recht schnell anwachsen und nach wenigen Monaten schon eine ordentliche Große erreicht haben.
Das Risiko dabei: anders als bei der Aussaat wird die Mutterpflanze verletzt, mit etwas Pech kann sie eingehen. Außerdem ist der Ertrag davon abhängig, wieviele Ableger gebildet wurden. Dafür geht das ganze aber recht schnell und problemlos.

Vermehrung von Drosera aus Wurzeln:


Droseras mit großen, dicken Wurzeln, wie z.B. Drosera capensis, haben zwei Vorteile: sie verzeihen es, wenn man sie längere Zeit nicht gießt und man kann sie recht schnell vermehren. Der Grund: sie sprießen aus ihren Wurzeln neu hervor, auch wenn sie oberirdisch komplett abgestorben sind. Das kann man sich zum Vermehren gut zunutze machen.
Man schneidet dafür von einer kräftigen Pflanze ein großes Stück Wurzel ab und zerteilt dieses in Stücke a 4cm. Diese bettet man in eine mehrere Zentimeter dicke Torfschicht, die ständig feucht gehalten wird. Recht bald schon zeigen sich erste Pflänzchen, die ähnlich der Aussaat pikiert werden müssen. Ggf. muss die Mutterwurzel zerschnitten werden.
Das Risiko: wenn man der Mutterpflanze zu viel Wurzel abschneidet, kann sie eingehen. Außerdem muss man sie, wie die Venusfliegenfalle, ausgraben. Im Gegenzug erhält man aber schnell kräftige Pflanzen.

Vermehrung von Pinguicula aus Blattstecklingen:


Dazu bricht man ein dickfleischiges Pinguicula-Blatt möglichst dicht an der Pflanze ab und legt es auf feuchten Torf. Das Ganze wird mit Folie abgedeckt und man wartet nun darauf, dass sich an der Bruchstelle neue Pflänzchen bilden. Sind diese einigerma;ßen groß und hab eine eigene Wurzel, werden sie in neues Substrat gelegt (pikiert). Der Erfolg variiert, aber es geht auf jeden Fall schneller als über die Aussaat.
Das Risiko: wieder wird die Mutterpflanze verletzt, allerdings nur oberirdisch und auch nur minimal. Solange man die Pinguicula nicht kahlrupft sollte es keine Probleme geben.